SCHAU
NOCHMALS
HIN.
Zukunftslabor
by IRAS COTIS

Interreligiöse Dialogarbeit lebt davon, dass Menschen mit unterschiedlichen religiösen und weltanschaulichen Hintergründen miteinander ins Gespräch kommen und gemeinsam Verantwortung übernehmen.

Diese Zusammenarbeit findet jedoch nicht unter gleichen Voraussetzungen statt. Religionsgemeinschaften verfügen über unterschiedliche Ressourcen, Strukturen und gesellschaftliche Handlungsmöglichkeiten.

Schau nochmals hin. lädt dazu ein, die eigene Praxis aus einer neuen Perspektive zu betrachten.

Worum geht es?

Asymmetrien gehören zur Realität interreligiöser Dialogarbeit. Problematisch werden sie dort, wo sie unbemerkt bleiben oder unterschiedlich gedeutet werden.

Die Kampagne macht solche Situationen sichtbar und lädt dazu ein, genauer hinzuschauen, miteinander darüber ins Gespräch zu kommen und die eigene Praxis weiterzuentwickeln.

Eine Einladung,
Dialogarbeit
gemeinsam
zu gestalten.

Offener Brief

Interreligiöse Dialogarbeit findet nicht unter gleichen Voraussetzungen statt. Unterschiedliche Ressourcen, Strukturen, Rollen und Erfahrungen gehören zu ihrer Realität.

Der offene Brief lädt Verantwortliche in Religionsgemeinschaften, Organisationen und Projekten dazu ein, diese Unterschiede bewusst wahrzunehmen – und gemeinsam darüber ins Gespräch zu kommen, wie interreligiöse Dialogarbeit gestaltet werden kann, damit unterschiedliche Perspektiven und Voraussetzungen mitgedacht werden.

Es geht nicht darum, Asymmetrien vollständig aufzuheben, sondern sie sichtbar zu machen, Missverständnisse besser zu verstehen und gemeinsame Verantwortung bewusster zu gestalten.

Offenen Brief lesen

Die Themen der Kampagne

Sieben Situationen aus der interreligiösen Dialogarbeit laden dazu ein, bekannte Deutungen zu hinterfragen und nochmals hinzuschauen.

01

Warum organisieren immer wir die interreligiösen Anlässe?

Schau nochmals hin.

Vor allem christliche Gemeinschaften organisieren interreligiöse Anlässe. Sie haben dafür oft die nötigen Räume, Mitarbeitenden und finanziellen Mittel.

Das hat Folgen

Wer organisiert, entscheidet meist auch über Ort, Zeit, Programm und Ablauf. So werden andere Religionsgemeinschaften zu Gästen statt zu Mitgestaltenden.

Praxisimpuls
Mitgestaltung beginnt nicht bei der Einladung, sondern bei der Planung.

Überlegt gemeinsam, welche Verantwortung bereits heute geteilt werden kann und welche Voraussetzungen dafür noch fehlen.
02

Warum sind einige Religionsgemeinschaften an interreligiösen Anlässen nur selten dabei?

Schau nochmals hin.

Viele Religionsgemeinschaften arbeiten fast vollständig ehrenamtlich. Gleichzeitig beschäftigen sie oft andere, existenziellere Fragen: Wie finden wir geeignete Räume? Wie bauen wir unsere Gemeinschaft auf? Wie können wir dazugehören?

Hinzu kommt: Manche fragen sich, weshalb sie viel Zeit in interreligiöse Anlässe investieren sollen, wenn sie dadurch zwar anderen Einblicke in ihre Religion ermöglichen, sich für ihre eigene Gemeinschaft gesellschaftlich aber kaum etwas verändert.

Das hat Folgen

Wer selten dabei ist, gilt schnell als desinteressiert oder wenig integrationsbereit. Dahinter können jedoch ganz andere Gründe stehen.

Praxisimpuls
Gute Zusammenarbeit beginnt mit dem Verständnis füreinander.

Sprecht zu Beginn darüber, was die einzelnen Gemeinschaften mit der Zusammenarbeit erreichen möchten und wie ein Projekt gestaltet werden kann, das möglichst viele dieser Ziele aufnimmt.
03

Wie seht ihr Muslime das?

Schau nochmals hin.

Menschen werden im interreligiösen Dialog oft als Vertreter:innen ihrer Religionsgemeinschaft wahrgenommen.

Von ihnen wird erwartet, dass sie erklären, was «der Islam», «das Judentum» oder «der Hinduismus» dazu sagt – oder dass sie sich für Ereignisse rechtfertigen, mit denen sie persönlich nichts zu tun haben.

Das hat Folgen

Während manche einfach ihre eigene Meinung sagen können, stehen andere unter dem Druck, für eine ganze Gemeinschaft zu sprechen und diese zu rechtfertigen.

Praxisimpuls
Niemand spricht für eine ganze Religionsgemeinschaft.

Fragt nach persönlichen Erfahrungen und Perspektiven – nicht nach der einen richtigen Antwort, was «das Christentum» oder «der Islam» dazu sagen.
04

Und was denkst du zur Unterdrückung der Frauen?

Schau nochmals hin.

Viele Fragen entstehen aus echter Unsicherheit oder Angst. Das ist verständlich.

Problematisch wird es dort, wo einzelne Menschen die Verantwortung übernehmen sollen, diese Angst zu nehmen oder sich für Ereignisse zu rechtfertigen, mit denen sie persönlich nichts zu tun haben.

Das hat Folgen

Aus einer Begegnung auf Augenhöhe wird schnell eine Situation, in der eine Person erklären, beruhigen oder sich rechtfertigen soll, während die andere die Bestätigung sucht, dass ihre Sorge unbegründet ist.

Praxisimpuls
Die Verantwortung für die eigenen Ängste liegt zuerst bei einem selbst.

Begegnet Menschen als Einzelpersonen – nicht als Stellvertreter:innen für alles, was ihr mit einer Religionsgemeinschaft verbindet.
05

Aber wir wollten doch unsere heiligen Schriften vergleichen!

Schau nochmals hin.

Wir planen interreligiöse Begegnungen oft aus unserer eigenen Vorstellung davon, was Religion ist und wie man ihr begegnet.

Für manche gehören religiöse Texte selbstverständlich ins Zentrum. Andere erleben Religion stärker über Gemeinschaft, Rituale, Feste oder Gastfreundschaft. Hinzu kommt: Manche kommen mit einer theologischen Ausbildung, andere bringen ihre Erfahrungen aus dem Alltag mit.

Das hat Folgen

Die einen haben das Gefühl, das Gegenüber nehme den Dialog nicht ernst oder halte Abmachungen nicht ein. Gastfreundschaft oder gemeinsames Essen werden dann schnell als mangelnde Vorbereitung oder fehlende Reflexion der eigenen Religion gedeutet. Die anderen erleben gleichzeitig, dass ihre Art, Religion zu leben und Begegnung zu gestalten, im Dialog wenig Platz hat.

Praxisimpuls
Plant den Dialog nicht nur aus eurer eigenen Perspektive.

Überlegt gemeinsam, welche Vorstellungen von Religion und welche Formen der Begegnung den beteiligten Gemeinschaften wichtig sind.
06

Bei uns sind alle willkommen.

Schau nochmals hin.

Viele interreligiöse Angebote entstehen unter dem Dach einer einzelnen Religionsgemeinschaft. Das ist oft der Grund, weshalb sie überhaupt entstehen können. Eine Kirche stellt Räume zur Verfügung, finanziert eine Stelle oder übernimmt die Organisation.

Das hat Folgen

Auch wenn alle willkommen sind, bleibt das Angebot Teil dieser Gemeinschaft. Andere kommen als Gäste dazu. Sie entscheiden nicht gleichberechtigt über Ziele, Budget, Weiterentwicklung oder die Zukunft des Angebots. Deshalb übernehmen sie auch nicht dieselbe Verantwortung.

Wer sich langfristig gemeinsame Verantwortung wünscht, braucht irgendwann auch gemeinsame Gefässe – Organisationen oder Projekte, die allen Beteiligten gehören und von allen mitgetragen werden.

Praxisimpuls
Gemeinsame Verantwortung braucht gemeinsame Gefässe.

Überlegt, welche Projekte ihr weiterhin unter dem Dach einer Gemeinschaft führen möchtet – und wo ein gemeinsamer Rahmen mit gleichen Rechten und Pflichten für alle sinnvoll wäre.
07

Interreligiöser Dialog dient der Horizonterweiterung.

Schau nochmals hin.

Für manche Menschen steht im interreligiösen Dialog die persönliche Horizonterweiterung im Mittelpunkt. Sie möchten andere Religionen kennenlernen, ihre eigenen Überzeugungen reflektieren oder neue Perspektiven gewinnen.

Andere Gemeinschaften verbinden mit dem Dialog jedoch noch ganz andere Anliegen. Für sie geht es auch um gesellschaftliche Anerkennung, die Suche nach geeigneten Räumen, den Aufbau der eigenen Gemeinschaft oder die Möglichkeit, religiöse Bedürfnisse besser erfüllen zu können.

Das hat Folgen

Wer davon ausgeht, alle verfolgten dieselben Ziele, versteht oft nicht, weshalb andere andere Prioritäten setzen oder sich anders engagieren. Unterschiedliche Erwartungen führen zu Missverständnissen.

Praxisimpuls
Gute Zusammenarbeit beginnt mit dem Verständnis der unterschiedlichen Ausgangslagen.

Überlegt zu Beginn eines Projekts, unter welchen Bedingungen die beteiligten Menschen und Gemeinschaften leben und arbeiten und welche Ziele und Bedürfnisse sich daraus ergeben.
Reflexionsheft Schau nochmals hin.

Mach den Praxis-Check

Das Reflexionsheft lädt Teams, Vorstände und Organisationen dazu ein, die eigene interreligiöse Dialogarbeit gemeinsam anzuschauen.

Wo gelingt Beteiligung bereits gut? Wo zeigen sich unterschiedliche Voraussetzungen? Und was möchten wir als Nächstes verändern?

Das Heft verbindet kurze Einschätzungen mit drei Schritten: Schau hin. Schau nochmals hin. Schau nach vorn.

Reflexionsheft herunterladen Zu den Karten
Sticker Schau nochmals hin – Lavendel Sticker Schau nochmals hin – Limette Sticker Schau nochmals hin – Limette Sticker Schau nochmals hin – Creme

Nimm die Kampagne mit.

Schau nochmals hin. gibt es auch als Sticker. Sie greifen die Kampagne im Alltag und an Veranstaltungen wieder auf und laden dazu ein, nochmals hinzuschauen.

Die Sticker sind kostenlos an Veranstaltungen von IRAS COTIS erhältlich.

Schau hin.
Schau nochmals hin.
Schau nach vorn.