Was gibt uns Halt? Wie treten wir Ausgrenzung entgegen? Und wie gestalten wir gemeinsam ein respektvolles Zusammenleben? Vom 7. bis 15. November 2026 verbinden Veranstaltungen in der ganzen Schweiz persönliche Lebensfragen mit gesellschaftlicher Verantwortung. Die Woche der Religionen lädt damit bereits zum 20. Mal zur Begegnung über religiöse und weltanschauliche Grenzen hinweg ein.
Zum Programm der Woche der Religionen 2026
Die Suche nach Heimat, Hoffnung und Orientierung verbindet Menschen über religiöse und weltanschauliche Grenzen hinweg. Das diesjährige Programm der Woche der Religionen greift diese Suche auf und bringt unterschiedliche Generationen, Traditionen und Lebenserfahrungen miteinander ins Gespräch.
Dabei zeigt sich: Religion kann Halt geben und zugleich herausfordern – beispielsweise mit Fragen nach dem Umgang mit Ausgrenzung, nach unserer Verantwortung für andere Lebewesen und danach, wie wir unsere Gesellschaft gestalten wollen.
Nicht wegschauen: Verantwortung übernehmen
Wie erkennen wir Antisemitismus, und wie können wir dagegen handeln? In Kreuzlingen widmet sich am 9. November ein Workshop mit dem Psychologen und Autor Ahmad Mansour konkreten Handlungsmöglichkeiten. Am Abend verbindet ein Podium die Diskussion über gesellschaftliche Verantwortung mit dem Gedenken an die Reichspogromnacht von 1938. Am 15. November stellt Asmaa Dehbi vom Schweizerischen Zentrum für Islam und Gesellschaft eine neue Grundlagenstudie zu antimuslimischem Rassismus vor.
Bereits im Vorfeld der Woche greift eine Veranstaltung in Weinfelden die Geschichte des Polizeihauptmanns Paul Grüninger auf. Markus Battaglias Roman «Der Schlagbaumbeweger» führt zur Frage, was es bedeutet, angesichts von Unrecht das Richtige zu tun – auch wenn es persönlichen Mut verlangt.
In Zürich vermittelt die Ausstellung «ROJDA – Im Licht der Erinnerung. Zeugnisse jesidischen Lebens» Einblicke in jesidische Religion und Kultur und thematisiert den Genozid von 2014 und seine Folgen. Zur Vernissage ist die Menschenrechtsaktivistin Düzen Tekkal zu Gast. Der Dokumentarfilm «Mediha» erzählt ergänzend von einer jungen Jesidin, die nach der IS-Gefangenschaft ein neues Leben aufzubauen versucht.
Gemeinsames Handeln steht beim palästinensisch-israelischen Abend in Chur im Zentrum: Laila Hassan aus Palästina und Mirjam Krebs aus Israel leiten einen Workshop zu orientalischer Stickerei. Vortrag, Musik und Gesang ergänzen den Tag.
Halt finden – über Generationen hinweg
Was bedeutet Religion für junge Menschen? In Luzern sprechen junge Erwachsene verschiedener Traditionen darüber, was ihnen Halt, Heimat und Hoffnung gibt. In Liestal tauschen sich Jugendliche aus Christentum, Alevitentum und Islam über ihren Glauben und ihre Werte aus. In Chur fragt ein interreligiöses Podium: «Zukunft Religion – wer kommt nach?»
Auch das Älterwerden kommt zur Sprache. «Jenseits von Botox und Jugendwahn» fragt in Basel nach den Menschen- und Frauenbildern hinter dem Wunsch nach ewiger Jugend und nach anderen Perspektiven religiöser Traditionen auf das Alter. In Allschwil erzählen Menschen verschiedener Glaubensgemeinschaften davon, was ihnen in der Trauer geholfen hat.
Verantwortung für die Mitwelt
Mehrere Veranstaltungen erweitern den Blick auf unser Verhältnis zu Tieren und zur Natur. In Lausanne geht es um den Stellenwert von Tieren in jüdischen und christlichen Traditionen: Haben Tiere eine Seele? Welche Verantwortung tragen Menschen für sie?
In Lonay begegnen Gymnasiast:innen der Bedeutung von Tieren im Islam. In Zürich werden islamische und christliche Perspektiven auf Tiere, Pflanzen und die Verantwortung des Menschen in der Schöpfung diskutiert. Religiöse Überlieferungen werden so zum Ausgangspunkt für Fragen, die weit über die Religionsgemeinschaften hinausreichen.
Türen öffnen, Beziehungen schaffen
Wie viel Raum hat Religion heute? In Basel diskutieren Stimmen aus Wissenschaft, Politik und Religion darüber, wie Säkularisierung, Digitalisierung und gesellschaftliche Vielfalt religiöse Räume verändern.
Andernorts werden diese Räume unmittelbar zugänglich: Aargauer Moscheen öffnen ihre Türen für Führungen und Gespräche. In Volketswil begegnen sich Imam Kaser Alasaad und Grossmünsterpfarrer Christian Walti zusammen mit Jugendlichen, Gemeindemitgliedern und weiteren Gästen. In Fribourg regt eine Führung durch die Kathedrale dazu an, anhand der Glasfenster über Geschlechterrollen in Kirche und Gesellschaft nachzudenken.
«Wie klingt Religion?» fragt die 18. Berner Nacht der Religionen. Sie öffnet zahlreiche Klangräume in der Stadt und lädt dazu ein, religiöse Vielfalt hörend zu entdecken.
Ob im Gespräch, beim gemeinsamen Essen, in Musik oder Stille: Die Woche der Religionen lädt dazu ein, einander kennenzulernen und Überzeugungen zu teilen. Was trägt mich? Was bewegt dich? Und was können wir gemeinsam zum Zusammenleben beitragen?
Über die Woche der Religionen
Die Woche der Religionen findet 2026 zum 20. Mal statt. Lokale und regionale Religionsgemeinschaften und Organisationen gestalten das Programm. Schon die gemeinsame Vorbereitung schafft Beziehungen, die über die Veranstaltungswoche hinaus Bestand haben.
Urheberin und nationale Koordinatorin ist die Interreligiöse Arbeitsgemeinschaft in der Schweiz IRAS COTIS. Als nationales Netzwerk fördert sie Austausch, Dialog und Zusammenarbeit zwischen Menschen mit unterschiedlichem religiösem und kulturellem Hintergrund.

Foto: IRAS COTIS/Katja Joho
